Baudenkmale

Pfarrkirche St. Vitus

St. Vitus

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Abt-Harrer

Barocke Pfarrkirche von 1770 mit Deckengemälden von Gabriel Ignaz Thum.

Detail aus der Deckenbemalung der Vituskirche

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Abt-Harrer

 

Detail vom Kirchenportal, Evangelistensymbole: mehr hierzu bei Klick in der Wikipedia

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Abt-Harrer

Mit einem »frommen« Namen geht unser Dorf durch die Jahrhunderte. »Zu Nutz und Frommen« sagt man heute gelegentlich noch, oder »Es frommt«.
Vielleicht ist das die schöne Bedeutung, die unserem Ortsnamen zugrunde liegt.
Auch ein alter Personenname Fruoman wird zur Erklärung ausgegeben.
Über die Anfänge weiß man nichts. Die Kreisbeschreibung nennt das 7. Jahrhundert. Eine Urkunde des Grafen Rudolph von Hohenberg von 1399 spricht von einer »Capell zu Frumenhusen, die gewiht ist worden in der Ere unser Frowen und ander Heiligen«.

Im Jahr 1428 erhält die Kapelle einen Kaplan, wohl in der Person des in der Urkunde mitgenannten Jodok Stölzle aus Hirrlingen. Die Urkunde nennt den Schultheißen Johannes Wend, den Konvent des Klosters Witticheen und den Pfarrer Konrad Hagen aus Hirrlingen. Die Einkünfte der Kaplaneigüter betragen 37 Pfund und 10 Heller.
Wöchentlich werden drei Messen gelesen, an Feiertagen muß man nach Hirrlingen zur Kirche. Ein Grabstein vom Hirrlinger Friedhof, seit 1982 an der Außenfront der Hirrlinger Kirche, nennt einen Jacob Beyter von Frumenhus, der »1510 zu S Jacob gezogen«. Gemeint ist Santiago di Compostela in Spanien.

Weihbischof Baltassar von Konstanz weiht laut einem Eintrag in den Hirrlinger Kirchenbüchern 1596 Kapelle und Altar zu Ehren der Allerseligsten Jungfrau Maria, des hl. Nikolaus und der hl. Barbara.

 

Anno 1596 zu Frommenhausen
Aus dem Hirrlinger Pfarrarchiv
Rottenburger Post, 14.8.1972

 

Die Votivtafel

Im Dreißigjährigen Krieg ist am Fastnachtsmontag 1633 am Weg nach Hirrlingen eine Bluttat geschehen. Schwedische Reiter haben Hansjörg Beck und vielleicht auch seinen Vater erschlagen. Die Gedenktafel in der Kirche zeugt davon und zugleich von den 11 Gefallenen des Napoleonischen Feldzugs nach Rußland 1812.

Frommenhausen, Pfarrkirche St. Vitus, Votivtafel

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Abt-Harrer

2010 hatte der Förderverein Frommenhausen an die Kuratorin der Abteilung Volkskunde am Landesmuseum Württemberg Fragen zur Kleidung der Personen auf der Votivtafel in der Pfarrkirche in Frommenhausen gestellt. Wir wollten wissen, ob vielleicht eine Frommenhausener Tracht auf den Bildern zu sehen sei.
Frau Dagmar Bayer hat uns nun freundlicher Weise eine ausführliche Analyse zur Votivtafel geschickt, die wir hiermit allen zugänglich machen wollen:

Zur Tafel:
Die Tafel beschreibt im Textfeld ein Ereignis aus dem Jahr 1633, bei dem Martin Beck und sein Sohn Hensjorg Beck durch schwedische Ritter zu Tode kamen. Es ist die Rede von einem Kreuz, das von Martin Beck, Schultheiß, in Auftrag gegeben wurde. Unklar ist, ob es sich beim Auftraggeber des Kreuzes und beim Getöteten um denselben Martin Beck handelt.

Das Kreuz, welches er in Auftrag gegeben hat, scheint das abgebildete zu sein. Darunter steht links ein mit brauner Hose, schwarzen Stiefeln und schwarzer Jacke gekleideter Mann, der vermutlich derjenige Martin Beck ist, der Bürgermeister (Schultheiß) war und nicht zuletzt deshalb bessere Kleidung trägt. Vermutlich ist er im Sonntagsstaat abgebildet. Er hält einen jüngeren Mann unter den Achseln fest. Bei letzterem handelt es sich wahrscheinlich um Hensjorg Beck, der ein einfaches Leinenhemd trägt und eine braune Hose, er ist barfuß.

Rechts vom Kreuz sind vier Frauen abgebildet, allesamt kniend und die Hände zum Gebet erhoben. Sie blicken zum Getöteten, dem ihre Gebete gelten. Ganz außen ist eine Frau im schwarzen Gewand mit weißem Schleier/Haube zu sehen, neben ihr knien drei junge Frauen mit roten Hauben, schwarzen Jäckchen/Blusen und weißen Halskrausen, roten Röcken und weißen Schürzen. Sehr wahrscheinlich tragen auch diese vier Frauen die Tracht, die sonn- und feiertags getragen wurde.
leider sind die Inschriften über ihren Köpfen auf der digitalen Fotografie nicht lesbar. Sie liefern wahrscheinlich Hinweise auf die Identität der Personen. Vermutlich handelt es sich um die Geschwister und die Mutter des Getöteten.
Die Darstellung des Kreuzes mit den betenden Angehörigen (zumeist den Stiftern der Tafel) der vom Unglück Heimgesuchten ist eine gängige Darstellung auf Votivtafeln bis ins 19. Jahrhundert hinein.

Zur Kleidung der Frau:
Die Frau trägt eine weiße Kalotte (kleines eng anliegendes Häubchen), darüber ist locker das weiße Kopftuch gelegt, das auch Hals und Necken bedeckt. Häufig werden Bäuerinnen mit solcherart weißen Kopfbedeckungen dargestellt im 16. und frühen 17. Jahrhundert. Auf vielen Votivtafeln besteht die Tracht der Frauen aus einem bodenlangen schwarzen Rock aus schwarzem Stoff, das Leibchen war ebenfalls aus schwerem schwarzem Stoff, dazu trugen die Frauen eine weiße Schürze. Möglicherweise trägt die Frau eine solche weiße Schürze (wie ihre Töchter) unter dem Mantel und somit für den Betrachter unsichtbar.

Zur Kleidung der Mädchen:
Die Mädchen trugen zumeist dieselbe Kleidung wie die Mutter, nur eben bunter. Hier tragen die Mädchen rote Röcke mit weißen Schürzen. Die weiße Halskrause ist wahrscheinlich ein Bestandteil der Tracht, der vom Einfluss der Frauenmode des spanischen Hofes unter Karl V. (16. Jhrdt.) herrührt. Diese spanische Frauenmode hatte sich nämlich deutlich auf die Entwicklung der Volkstrachten ausgewirkt in Form von mit Watte unterlegten Ärmeln bei Trachtenjacken und als Halskrausen (auch bei Schwarzwaldtrachten zu sehen). So wie es aussieht, auf der Fotografie, tragen die Mädchen geflochtene Zöpfe um das flache rote Baretthäubchen mit Schleife vorne. Es ist gut möglich, aber leider auf dem Foto nicht zu erkennen, dass es sich beim schwarzen Oberteil um Trachtenjacken handelt und dass die Mädchen darunter rote Blusen tragen - in der Farbe des Tuchrocks. Ein ähnliches Gnadenbild vom Hochberg bei Neufra legt diese Vermutung- obwohl aus späterer Zeit stammend - nahe (Votivbild des Johannes Steinhart und der Creszentia Frener, 1831).

Fazit:
Die Familie trägt meiner Ansicht nach eine typisch und auch überregional ähnlich zusammengesetzte Kleidung/Tracht, wie sie sonn- und feiertags getragen wurde. Für eine Darstellung von Malerhand wurde ohnehin der Sonntagsstaat und nicht die Werktagskleidung angelegt. Ungewiss ist, ob es sich bereits um eine regional- oder ortsspezifische Herausbildung der Tracht mit bestimmten Rock-, Schürzen-, Haubenfarben und -formen handelt. Ich vermute jedoch, dass dies nicht so ist, da ländlich-bäuerliche Kleidung aus dieser Zeit in der einschlägigen Literatur recht ähnlich, d. h. ortsunspezifisch, abgebildet ist. Einzig der getötete Sohn trägt Arbeitskleidung. Im Gegensatz zu seinen Eltern und Geschwistern ist er sehr einfach und schlicht gekleidet, wohl auch in gröbere Stoffe gehüllt. Da das Sonntagsgewand oft das einzige festliche Kleidungsensemble überhaupt im Leben der damaligen Zeitgenossen war, war dieses aus feineren Stoffen geschneidert, wobei selbst bei den feinen Gewändern nur die sichtbaren Stoffteile aus feinem Zwirn waren. Weil feiner Stoff teuer war, war alles was überdeckt wurde oder was man darunter anhatte, aus gröberem Leinenstoff gewebt.

 

Die neue Kirche

Mit Kaplan Augustin Widmayer wurde 1716 die Kaplanei neu errichtet. Aber 1767 heißt es: »Das Kirchlein will einfallen«.

Frommenhausen, Pfarrkirche St. Vitus, Ausschnitt aus dem Langhausdeckenbild von Gabriel Ignaz Thum mit Darstellung der Kirche vor ihrer Erweiterung (vor 1770)

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Abt-Harrer

Das Jahr 1770 bringt eine neue Kirche mit Chor, zwei Joch und einem Dachreiter, erbaut von Christian Großbayer von Haigerloch, ausgemalt von Gabriel Ignaz Thum aus Bezau, geweiht am gleichen Tag wie die Hirrlinger Martinskirche am 9. August 1772 von Weihbischof Augustin von Hornstein aus Konstanz zu Ehren Unsrer Lieben Frau, des hl. Vitus, der hl. Katharina und des hl. Wendelin.
Die Deckengemälde zeigen diese Patrone.

Die Lokalkaplanei wird 1796 errichtet unter Kaplan Joseph Anton von Kreyseren aus Rottenburg. Auch ein eigener Gottesacker wird eröffnet, der 1875 und 1978 erweitert wird.

Zur Pfarrei wird Frommenhausen 1819 erhoben. Ein neues Schul- und Rathaus wird 1835 erbaut. Das alte Kaplanei- und Pfarrhaus gegenüber der Kirche wird durch einen Neubau über dem Ort ersetzt und 1868 bezogen. Auch für die Kirche sucht man einen besseren Platz. Doch bleibt man am ehrwürdigen Ort und erweitert 1933 die Kirche durch einen Anbau mit Glockenturm. Die heutige Sakristei ist um 1820 angebaut worden. Renoviert wurde die Kirche 1906, außen 1973 und 1987, innen 1959, 1968 und 1990.

Detail St. Vitus

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Abt-Harrer

 

Detail St. Vitus

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Abt-Harrer

Frommenhausen, in den achtziger Jahren baulich um eine Etage höher gerückt, bleibe seinem Namen treu. Seine Kirche ist zuerst der göttlichen Dreifaltigkeit geweiht. Der Hochaltar zeigt das.

Detail St. Vitus

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Abt-Harrer

Das Erlösungsopfer Christi wird in jeder Messe auf dem Altar vergegenwärtigt. Seine Gegenwart im Sakrament erhebt unser Gebetshaus zum Hause Gottes. Von Anfang an ist Maria, die Mutter Jesu, als Patronin genannt. »Was Er euch sagt, das tuet«, sagt uns auch heute noch die Magd des Herrn.

Die zwölf Apostel grüßen von der Decke und rufen zum Glaubenszeugnis im Alltag.
Seit dem letzten Kirchenbau wird St. Vitus als Patron genannt. Dieser jugendliche Märtyrer verkörpere sich in den Heranwachsenden unserer Jahre.
Vitus - der Lebensstarke (Vital) - 15. Juni: Veit, der »Kind-Heilige«, zählt zu den volkstümlichsten Heiligen der katholischen Kirche. Im Mittelalter wurde er in den Kreis der 14 Nothelfer aufgenommen. Zahlreiche Kirchen tragen seinen Namen. Die berühmteste ist wohl der Veitsdom in Prag, wo Reliquien des Nothelfers aufbewahrt werden.
Vitus stammte nach der Legende aus reicher sizilianischer Familie. Der Vater wollte den Siebenjährigen mit staatlicher Gewalt zum Abfall vom christlichen Glauben zwingen, weshalb dieser floh. In Rom heilte er den Sohn Kaiser Diokletians, wurde aber trotzdem durch mannigfaltige Qualen gemartert.

Die hl. Katharina von Alecandrien ist in den Deckengemälden besonders hervorgehoben durch ihre Abwehr des Götzendienstes und ihr Bekenntnis zu Christus, der ihr zur Märtyrerkrone die Krone des ewigen Lebens gewährt.

Der hl. Wendelin wurde als Beschützer für Stall und Vieh gewählt. Er beschütze auch heute Haus und Bett und Flur!

Frommenhausen ist seinen Bewohnern Heimat für ein paar Jahre oder Jahrzehnte. Die wahre Heimat des Menschen ist beim Dreieinigen Gott, dem Herrn des Himmels und der Erde. Unsere Pfarrkirche ist beste Führerin dahin als »Haus Gottes und Pforte des Himmels«.

Dieser Text wurde Pfingsten 1990 verfaßt von:
Pfarrer Wendelin Sieß und Kirchengemeinderatbr /> Erich Zug, Ortsvorsteher
Adolf Saile, 2. Vorsitzender
Oskar Beck, Franz Hagen, Gerhard Johner, Wilma Riegger, Karl Wütz, Siegbert Wütz,
Josef Wütz, Kirchenpfleger,
Barbara Zug, Mesnerin.

 

Das Vituslied

Text: Pfr. Anton Fischer, Frommenhausen
Melodie: Dompfr. Josef Ottenwälder

Heiliger Vitus, Gottesknecht,
lehr uns leben fromm und recht!
Bitt für uns, dass Gottes Gnade,
lenke unsre Lebenspfade
von der Wiege bis zum Grab!
Von der Wiege bis zum Grab!

Heiliger Vitus, Gottesheld!
Über Teufel, Fleisch und Welt
hilf auch uns den Sieg erlangen,
dass des Kreuzes Zeichen prangen
auf der unentweihten Stirn!
Auf der unentweihten Stirn!

Heiliger Vitus, Gotteskind,
dessen Lohn die Himmel sind,
in den Himmels Herrlichkeiten
hilf auch uns ein Heim bereiten,
eine selge Ewigkeit!
Eine selge Ewigkeit!

 

Literarische Fundstücke

Muttergottes in der Kirche zu Frommenhausen

Foto:
Abt-Harrer

Georg Weise schrieb in seinem Buch »Die gotische Holzplastik um Rottenburg, Horb und Hechingen« innerhalb der Forschungen zur Kunstgeschichte Schwabens und des Oberrheins 1921 über unsere Madonna. Text und Abbildung sind im ersten Teil »Die Bildwerke bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts» enthalten.

»... ausgezeichnet erhalten hat sich eine 0,85 Meter hohe sitzende Muttergottes in der Kirche zu Frommenhausen (Oberamt Rottenburg). Nur die heutige Krone ist an dieser Figur nachmittelalterlich und an die Stelle einer ursprünglich kleineren Krone getreten. Als verwandtes Stück bietet sich zum Vergleich die in die Stuttgarter Altertümersammlung gelangte Muttergottes aus Schloß Mauren (Oberamt Böblingen). Gemeinsam ist beiden die Haube mit Kruseler, sodann der in gerundeter Linie vom einen Arm zum andern gezogene Mantelbausch und die Art der Drapierung des Gewandsaumes unterhalb der beiden Knie. Statt, wie die Madonna aus Mauren, den Oberkörper graziös auszubiegen, hat unsere Figur das feierliche Tronen und die streng frontale Wiedergabe bewahrt. Trotz solcher Altertümlichkeit der Gesamthaltung wird man die Madonna von Frommenhausen doch erst verhältnismäßig spät, frühestens um 1380, ansetzen dürfen. Maßgebend für diese Datierung ist die im Vergleich mit dem Gegenstück aus Mauren viel gedrungenere Körperbildung, das breitere, behäbigere Sitzen mit auseinandergenommenen Knien und die weniger von strengem Vertikalismus beherrschte Wiedergabe der Faltenzüge der unteren Gewandpartien. Von der für die Mitte des 14. Jahrhunderts charakteristischen höfischen Feinheit und Idealität scheint der Schritt zu derberem Realismus gemacht. Auch in der völligen Unbekleidetheit des Kindes wird man ein wichtiges Datierungsmerkmal erblicken dürfen... (Anmerkung unten: Nach Witte, Die Skulpturen der Sammlung Schnütgen in Köln, S. 40, soll die Nacktheit des Kindes erst seit dem 2. Dezennium des 15. Jahrh. aufkommen. Die Madonna von Frommenhausen erst so spät anzusetzen vermag ich mich trotzdem nicht zu entschließen)...«